Blog

Wem gehört die Alster?

Diese Frage wird jeden Sommer erneut ausgefochten.

Auf und in der Alster sind: Tiere, zum Beispiel Fische und Graugänse. Graugänse haben die Alster vor einigen Jahren als neuen Sommer-Hotspot entdeckt und vermehren sich mehr oder weniger ungehemmt zum Leid derjenigen, die auf den Stegen und Liegewiesen einen Platz ohne Gänsekot suchen. Andererseits sind die Gänsekinder ein allerliebstes Fotomotiv. Und die Gänse selbst sind zumeist gute Hanseatinnen und Hanseaten: sie kümmern sich ohne viel Geschnatter um ihre eigenen Angelegenheiten, zumindest überwiegend.

Weiterhin sind auf und in der Alster: Menschen. Bei gutem Wetter mehr Menschen als Graugänse. Sie kommen zum Beispiel aus Bottrop, laufen auf der Hayns-Park-Brücke ÜBER DER ALSTER und fragen mich, wo die Alster sei. Ich deute nach unten. Sie reagieren aufgeregt. Siehst du, sagt die Frau zu ihrem Mann. Alle zücken die Handys. Ob’s denn auch Ausflugsboote in der Nähe gäbe, werde ich gefragt. Ja – ein paar Meter weiter am Winterhuder Fährhaus. Und das Beste ist, dass das Boot kein Ausflugsboot ist, sondern ein reguläres HVV-Verkehrsmittel und daher entsprechend preisgünstig.

In den Ausflugsbooten tummeln sich übrigens nicht nur Touristinnen und Touristen, sondern auch wir Einheimischen. Befriedigt lauschen wir den Lobeshymnen des Kapitäns. Auch ich steige hin und wieder in solch ein Boot, und wenn wir durch meinen Heimatkanal fahren, wird’s still … einfach, weil er so schön ist. Manchmal sieht man den Eisvogel.

Still ist es nicht immer. Die Menschen, die sich die erste Reihe am Rondeelteich leisten können und wollen, haben an warmen Tagen Gratis-Disco auf dem Wasser hinter ihren Parkgrundstücken. Nicht nur EINE Disco, sondern viele. Da singt Helene neben 50 Cent, es gewinnt, wer lauter ist. Daher ist die Wasserschutzpolizei auch oft auf dem Teich. Sie klärt nicht nur über den Lautstärkeregler der Box auf, sondern auch über Alkohol am Steuer – hier: am Paddel. Da sitzen dann vier Jungs im Schlauchboot und ziehen ein Bier-Boot hinter sich her. Wer denn der Bootsführer sei, will die Polizei wissen. Betretenes Schweigen. Auf anderen Booten werden die Flaschen schnell versteckt.

Ein Ausflugsboot entert den kleinen Teich und hupt, und ich schwöre, ich erschrecke mich immer noch. Die Hupe ist nicht von dieser Welt. Da fällt dir die Bierflasche ganz automatisch aus der Hand. Gemächlich paddeln die Leute zur Seite, gemächlich dreht der Dampfer seine Runde.

Draußen, auf der Außenalster, sind Segler unterwegs, bei Bobby Reich wird gechillt, am Stadtparksee tanzt die südamerikanische Community.

Ich finde, dass die Alster allen gehört, die dort sein wollen, so lange sie nett miteinander umgehen – was fast immer so ist. Kein Wunder. Die Alster ist die Friedenstaube im Herzen einer Millionenstadt.