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Wie Geschichten entstehen

Zum Beispiel unter Wasser beim Schnorcheln. Ja, auf diesem Foto arbeite ich. 🙂

Warum? Weil hier folgendes passiert: Nichts. Kein Bildschirm, kein Cursor, keine offenen Tabs, keine Frage, ob die Leiche in Kapitel drei nun links oder rechts vom Steg liegen sollte. Nur Wasser, Fische, Korallen und die Aufgabe, wach zu bleiben.

Der Schreibtisch ist der undankbarste Ort der Welt

Das ist die Wahrheit über Kreativität. Am Schreibtisch schreibt man auf. Aber ausgedacht wird woanders. Beim Walken zum Beispiel oder unter der Dusche, die Kathedrale der guten Einfälle. Oder eben im Wasser. Und das ist wissenschaftlich erwiesen.

Dein Gehirn hat einen Leerlauf-Modus. Und der ist ein Genie.

Es gibt in unserem Kopf ein Netzwerk mit einem sperrigen Namen: das Default Mode Network. Man könnte es den Leerlauf-Modus nennen. Es schaltet sich genau dann ein, wenn wir nicht konzentriert an einer Aufgabe arbeiten. Also beim Tagträumen, beim Gedankenschweifen, beim Vor-sich-hin-Schnorcheln.

Die Wissenschaft hielt diesen Zustand jahrzehntelang für den Ruhemodus des Gehirns – für das, was passiert, wenn nichts passiert. Ein Irrtum, wie sich herausstellte. Dieser vermeintliche Leerlauf ist in Wahrheit die Werkstatt der Fantasie. Während ich denke, ich täte gerade nichts, verknüpft mein Gehirn im Hintergrund munter Dinge, die vorne im Bewusstsein nie zueinandergefunden hätten. Es kramt in alten Erinnerungen, probiert abwegige Kombinationen, legt zwei Gedanken nebeneinander, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben – und manchmal fällt dabei genau der Funke, aus dem eine Szene wird / eine richtig gute Geschäftsidee / die Lösung des Problems, das dich seit Wochen unter Strom setzt.

Das Schöne daran: Konzentration verhindert genau das. Wenn ich mich auf ein Problem stürze, mache ich die Werkstatt zu. Erst wenn ich loslasse, geht das Licht wieder an. Forscher haben das inzwischen sogar bewiesen, indem sie das entsprechende Hirnareal gezielt gestört haben – prompt wurden die Einfälle der Testpersonen langweiliger.

Warum „Ich muss mal drüber schlafen“ keine Ausrede ist

Es kommt noch besser: Im REM-Schlaf-Modus (das ist die Traumphase) verknüpft dein Gehirn Dinge, die tagsüber getrennt blieben. Nicht, weil es sich besser erinnert, sondern weil es aktiv verbindet. Wer schon einmal ein Problem abends ratlos beiseitegelegt und es morgens gelöst vorgefunden hat, kennt das. „Ich schlaf mal drüber“ ist keine Vertagung. Es ist die Delegierung der Aufgabe an die Nachtschicht.

Was ich daraus gelernt habe

Der Spaziergang mitten im Arbeitstag ist keine Faulheit, sondern eine Besprechung mit der Kreativabteilung. Der Schreibtisch bleibt trotzdem wichtig. Irgendwo muss das Zeug ja aufgeschrieben werden. Aber die eigentliche Arbeit passiert, wenn ich am wenigsten nach Arbeit aussehe. Zum Beispiel mit dem Kopf im Wasser, mit ausgebreiteten Armen, während ein Fisch vorbeizieht und sich fragt, was diese Frau da eigentlich treibt.

Er ahnt ja nicht, dass ich arbeite.